Bei Motorrädern gibt es schon seit vielen Jahren ein Stufen-System: Mit 18 Jahren kann der Führerschein Klasse A2 erworben werden. Er erlaubt das Fahren von kleinen Krafträdern mit einer Motorleistung bis zu 35 kW (48 PS). Erst nach zwei Jahren darf der Führerschein Klasse A gemacht werden – für alle größeren Motorräder. „Das ist eine langbewährte Regelung“, meint Gronau.

Es sei kein Geheimnis, dass vor allem junge Kraftfahrer an Unfällen mit zu hoher Geschwindigkeit beteiligt sind, sagt Gronau. Zudem könne man feststellen, dass junge Leute heute eine hohe Affinität zu schnellen Autos haben. „Da will man natürlich zeigen, was man kann.“ Viele überschätzten sich allerdings dabei.

Mit der PS-Obergrenze könnten möglicherweise sogar illegale Rennen ausgebremst werden, meint die Polizeigewerkschaft. Getunte Autos zu fahren, sei bisher nicht strafbar, sagt der DPolG-Landesvorsitzende. Nur die Rennen seien verboten. Er weiß, wovon er spricht: „In Barsbüttel haben wir jeden Freitag und Sonnabend mit einer recht großen Cruiser-Szene zu tun.“ An manchen Abenden im Sommer träfen sich in dem stormarnschen Ort 300 bis 400 Leute. Nur selten würden Fahrzeuge stillgelegt, sagt Gronau. „Gegen illegale Rennen sollte man alle Hebel in Bewegung setzen“, meint Frank Walkenhorst, Vorsitzender des Fahrlehrer-Verbandes Schleswig-Holstein. Seiner Ansicht nach könnte eine PS-Obergrenze für Fahranfänger durchaus Sinn machen. „Das sollte man in Erwägung ziehen.“ Walkenhorst hält die von der Gewerkschaft vorgeschlagene PS/kW-Grenze allerdings für zu hoch.

Für den ADAC Schleswig-Holstein sagt Landeschef Ulrich Becker: „Wir wollen in den Köpfen anfangen, nicht im Motorraum.“ Der ADAC plädiere seit Jahren für eine Reform und Ergänzung der Fahrausbildung. Eine PS-Beschränkung ergebe wenig Sinn und sei darüber hinaus schwer kontrollierbar – in Zeiten weiteren Stellenabbaus bei der Polizei ein aussichtsloses Unterfangen. Auch Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) beurteilt die Vorschläge kritisch: „Die rechtlichen Regelungen sind ausreichend, Auto-Rennen bereits verboten.“ Wer dagegen verstoße, riskiere ein saftiges Bußgeld und ein Fahrverbot. Dies gelte verschärft für Führerscheinanfänger in der Probezeit.


79.500 Unfälle auf Schleswig-Holsteins Straßen 

Auf den Straßen Schleswig-Holsteins sind in diesem Jahr bereits 50 Menschen ums Leben gekommen. Im vergangenen Jahr waren es insgesamt 121 Menschen. 79.500 Unfälle wurden registriert, 16,6 Prozent wurden von jungen Fahrern (18 bis 25 Jahre) verursacht. Insgesamt wurden 16.030 Menschen bei Verkehrsunfällen verletzt. Zu den häufigsten Unfallursachen gehören nicht angepasste Geschwindigkeit, Fehler beim Abbiegen und Wenden sowie die Missachtung der Vorfahrt.


Von Julia Paulat (LN - Lübecker Nachrichten, 19.07.2015)